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Wissenswertes
Wir wollen nicht nur selbst im Tierschutz aktiv sein, sondern auch informieren. Hier findet ihr Wissenswertes rund um Schildkröten und ihre artgerechte Haltung.
Informationen auf dieser Seite
Problematik
Oft wissen die Menschen, die ihre Schildkröten bei uns abgeben, gar nicht, welches Tier sie da eigentlich haben — geschweige denn, ob es sich um ein Männchen oder Weibchen handelt. Die Pseudemys-Arten (Florida-Rotbauch- oder Hieroglyphenschildkröten) etwa sehen den Trachemys sehr ähnlich, unterscheiden sich aber hinsichtlich der Haltung. Trachemys sollten z. B. bei ca. 4 °C in die Starre versetzt werden, Pseudemys bei etwa 12 °C. Schlecht geschulte Verkäufer verkaufen die Tiere dann ohne nötiges Wissen.
Unbedachte Anschaffungen & invasive Arten
Beim Kauf sehen wir das größte Problem. Schildkröten aller Art sind in der Größe einer Zwei-Euro-Münze für wenig Geld zu erwerben. Sie sehen niedlich aus, und meist wird vergessen, dass sie sehr schnell groß und vor allem alt werden. Anfangs findet man sie kaum im Aquarium oder Terrarium und sie sind toll zu beobachten. Sehr schnell merkt man aber, dass es keine Schmusetiere sind und die Haltung viel Einsatz und Geld verschlingt.
Dass invasive Arten die einzige heimische Schildkrötenart — die Europäische Sumpfschildkröte — verdrängen, steht außer Zweifel. Man könnte sie aber auch einfangen und in einen großen Teich, etwa eine aufgelassene Schottergrube, einsetzen — man müsste sie nicht töten. Skurril ist, dass manche Arten verboten wurden, während Graptemys (Höckerschildkröten), Pseudemys und Chrysemys (Zierschildkröten) unsere Teiche genauso bewohnen.
Unterbringung & Lebensraum
Schildkröten sind von Natur aus Einzelgänger und treffen in ihren Habitaten meist nur zur Paarungszeit aufeinander. Sie benötigen Versteckmöglichkeiten, Sonnenlicht, frisches Wasser und sonnige Plätze, an denen sie ihre Eier ablegen können. Fehlen diese Plätze, kann es zu einer Legenot kommen, an der die Tiere sogar sterben können — das gilt für Land- wie Wasserschildkröten. Auch weibliche Tiere ohne Männchen legen Eier.
Keine noch so gute UVB-Lampe kann das Sonnenlicht ersetzen. Wir bekommen immer wieder Tiere mit verformtem oder viel zu kleinem Panzer — das passiert bei falscher Fütterung, fehlendem Kalzium und fehlender UVB-Bestrahlung durch die Sonne. Diese Verformungen sind irreparabel.
In der Natur findet man Schildkröten selten auf freien Flächen — sie lieben es, sich zu verstecken. Eine Anlage sollte daher Hügel, Steine und verschiedene Pflanzen bieten, aber niemals einen englischen Rasen. Wasserschildkröten gehören in einen ausbruchssicheren Teich: Sie überklettern problemlos eineinhalb Meter hohe Maschendrahtzäune. Die Teiche sollten den ganzen Tag Sonne bekommen, und die Tiere müssen bequem herausklettern können, damit sie nicht ertrinken.
Die Größe der Tiere
Wir haben Tiere aus allen Kontinenten aufgenommen — auch afrikanische Arten wie Panther- und Spornschildkröten, die dritt- und viertgrößten Schildkröten weltweit. Spornschildkröten können ein Gewicht von etwa 80 kg erreichen, sind aber ebenfalls als Winzlinge zu bekommen. Sie halten keine Starre, weshalb im Winter ein großer, beheizter Raum mit modernen UVB-Lampen sowie Trink- und Laufmöglichkeiten nötig ist. Ihren Kauf sollte man sich wirklich gründlich überlegen.
Gruppenhaltung & -zusammensetzung
Immer wieder bekommen wir Anfragen zur Zusammensetzung einzelner Tiere. Oft wird ein Männchen mit einem Weibchen vergesellschaftet — das kann das Weibchen zu Tode stressen. Bei Griechischen Landschildkröten ist es ratsam, zu einem Männchen mindestens drei, besser mehr Weibchen zu setzen. Setzt man nur Männchen zusammen, funktioniert das meist; anfängliche Rangkämpfe lassen mit der Zeit nach. Kommt später ein Weibchen dazu, kann es zu blutigen Kämpfen kommen. Bei Wasserschildkröten gilt ebenfalls die Mischung 3:1.
Die Kunst der Schildkrötenhaltung
Aufgrund der Menge an ausgesetzten oder abgegebenen Tieren sehen wir großen Handlungsbedarf. Sinnvoll wäre eine Art „Schildkrötenführerschein", bei dem man vor der Anschaffung die Grundkenntnisse der Haltung erlernt. In den letzten Jahren hat sich einiges bewegt: Schildkröten dürfen nicht mehr an sogenannten Exoticas angepriesen werden, und in Fachgeschäften müssen beim Kauf Haltungs- und Ernährungspläne mitgegeben werden. Trotzdem bleibt ein großes Problem — nur etwa zwei Prozent der bei uns aufgenommenen Tiere haben Papiere.
Die kontrollierte Kühlschranküberwinterung Europäischer Landschildkröten
Die Kühlschrank-Überwinterung bietet den Vorteil der einfachen Kontrolle. Die Tiere sind sicher vor Fressfeinden, und die Temperaturen sind leicht abzusichern. Je nach Herkunftsgebiet starren Griechische Landschildkröten ca. 12–16 Wochen, Maurische Landschildkröten ca. 12 Wochen.
Frisch operierte, kranke und geschwächte Tiere sowie Weibchen, die ihre Eier noch nicht abgelegt haben, sollten nicht überwintert werden. Ein Starre-Check beim Reptilientierarzt ist empfehlenswert. Tiere mit ansteckenden Krankheiten dürfen nicht gemeinsam überwintern, und bereits im Sommer sollte eine Kotuntersuchung auf Darmparasiten erfolgt sein.
Europäische Landschildkröten fallen bei reduzierter Sonneneinstrahlung, veränderter Tag-Nacht-Länge und Temperaturen unter 12–14 °C in eine Winterstarre — das gehört zum natürlichen Jahresrhythmus, egal ob frisch geschlüpft oder sehr alt. Hält man die Tiere über den Winter wach, erleiden sie oft nicht mehr behebbare Schäden.
Die Vorbereitung beginnt schon im September: Fallen die Temperaturen im Frühbeet nachts unter 15 °C, werden die Tiere inaktiver. Frühbeete sind ein Muss. Unter 10 °C stellen die Tiere das Fressen ein — tagsüber sollte man dennoch bis Anfang November eine Wärmelampe (ca. 30 °C) einsetzen. Ende November haben sich die Tiere endgültig vorbereitet: Sie stellen das Fressen ein und leeren ihren Verdauungstrakt. In diesem Stadium keinesfalls warm baden!
Zur Einwinterung eignen sich Plastikboxen (Maurertröge), etwa 20 cm mit ungedüngter Erde befüllt und darüber Laub (Buche, Eiche, Ahorn — kein Obstbaumlaub, kein Heu, da beides schimmelt). Das Erdreich sollte leicht feucht sein und alle ca. zwei Wochen besprüht werden. Überwintert wird zwischen 4 und 7 °C; ab 8 °C läuft der Stoffwechsel wieder, unter 3 °C wird es gefährlich. In der Starre regelmäßig Augen, Nase, Haut und Panzer kontrollieren.
Weitere ausführliche Informationen zur Überwinterung findet ihr auch bei einer Kollegin unter taschendinos.de.
Technik für Europäische Landschildkröten
Europäische Landschildkröten stammen aus dem Mittelmeerraum und sind wechselwarm. Wir müssen ihnen die klimatischen Bedingungen ihres Ursprungshabitats in unserem kühleren, feuchteren Klima simulieren. Das heißt keinesfalls Terrarienhaltung — die vertragen sie überhaupt nicht. Man hält die Tiere naturnah im Garten, jedoch mit Technik.
Dazu benötigt man ein hochwertiges, möglichst großes und stabiles Frühbeet aus 16-mm-Hohlkammerplatten, am besten aus UV-durchlässigem Plexiglas-Alltop©. Für eine artgerechte Haltung sind im Frühbeet eine Heizung für die Grundtemperatur und eine warme, helle Sonnenlampe unerlässlich.
Ebenso muss ein Freigehege vorhanden sein, damit die Tiere großzügig Auslauf haben, Wildkräuter weiden und natürliche UV-Strahlung bekommen. Einem ausgewachsenen Tier sollten mindestens 10 m² Freigehege zur Verfügung stehen — größer ist immer besser. Die Möglichkeit, sich tagsüber auf die Vorzugstemperatur von 38 °C zu bringen, sollte über die gesamte Aktiv-Saison bestehen; sonst drohen in der „Kalthaltung" schwere, schmerzhafte Erkrankungen bis hin zum Tod.
Wildtiere auf dem Gnadenhof
Immer wieder geraten heimische Wildtiere unverschuldet in Not. Mit allem, was uns möglich ist, nehmen wir diese auf und päppeln sie mit Hilfe von Experten wieder auf. Ziel ist immer, die Wildtiere später kontrolliert wieder auszuwildern. Auch diese Herausforderungen kosten viel Kraft, schenken uns aber immer wieder wundervolle Momente.
Artenschutz & Haltungsvorschriften
Die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri) zählt, wie alle europäischen Landschildkröten, zu den streng bedrohten Arten. Sie sind durch das Washingtoner Artenschutzabkommen (Anhang II) seit 1976 gelistet und auf EU-Ebene (Anhang A) seit 1984 noch strenger geschützt. Daher dürfen diese Tiere nur mit den dazugehörigen CITES-Papieren gehandelt werden — dazu zählen auch Tausch, Verkauf, Vermieten und Verschenken.
Die Haltung unterliegt der Meldepflicht: Eine kurze E-Mail an die zuständige Bezirkshauptmannschaft genügt, in der Erwerb und CITES-Nummer mitgeteilt werden. Veränderungen des Bestandes (Zu-/Abnahme) sind ebenfalls unverzüglich zu melden.
Für Griechische Landschildkröten gilt seit 2013 eine Kennzeichnungspflicht in Form einer Fotodokumentation. Jungtiere werden mehrfach dokumentiert (erstmals 2–3 Monate nach dem Schlupf, dann im Frühjahr, im Herbst nach 12–14 Monaten, zwischen 25–28 Monaten und mit 3 Jahren). Für adulte Tiere reicht ein Abstand von 5 Jahren. Identifiziert werden Schildkröten anhand von elf Merkmalen — vom Nackenschild über das fünfte Wirbelschild bis zu den fünf Kreuzungspunkten der Bauchpanzerschilde.